Zitat
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Es ist schrecklich, wenn ein Kind lernt, daß es ein von der Welt getrenntes Wesen ist, daß niemand und n i c h t s Schmerz empfindet, wenn es selbst sich die Zunge verbrennt oder das Knie aufschürft, und daß Schmerz und Leid nur ihm selbst gehören. Und schrecklicher noch ist es, wenn wir älter werden und lernen, daß niemand, sosehr wir ihn auch lieben mögen, uns je wirklich verstehen kann. Unser eigenes Ich macht uns überaus unglücklich, und deshalb sind wir so erpicht darauf, es zu verlieren.

Die geheime Geschichte – Donna Tartt

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Skoobe-Testbericht: Unbegrenzter Lesespaß?

Hallo ihr Lieben!

Ich melde mich mit einem kleinen Testbericht zurück, denn im letzten Monat durfte ich die Online-Bücherei Skoobe 30 Tage lang auf Herz und Nieren prüfen. Meine Erfahrungen möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Da dies mein erster Testbericht ist, kann ich nicht dafür garantieren, mich kurz zu fassen, wem mein Geschwurbel zu ausführlich ist, für den habe ich ganz unten meine Erfahrungen noch einmal zusammengefasst und als Belohnung winkt noch ein kleiner Testcode. Also los geht’s!

Was ist und wie funktioniert Skoobe?

Skoobe (rückwärts gelesen für eBooks) ist eine Online-Bibliothek und Flatrate für literarische Werke, d.h. ihr könnt ab einem bestimmten Festpreis beliebig viele Bücher lesen. Es gibt drei Tarife:

skoobe preisübersicht

Wenn ihr eure Mitgliedschaft abgeschlossen und einen Tarif ausgewählt habt – mir reicht zum Beispiel der Basic-Tarif – ladet ihr euch auf euer jeweiliges Endgerät die kostenlose App runter und loggt euch mit euren Zugangsdaten ein, dann kann es auch schon losgehen.

Ich habe Skoobe auf meinem Handy getestet und davon abgesehen, dass ich auf meinem Handy generell nur leicht zu verarbeitende Informationen konsumiere, gestaltete sich das Lesen komplexer Texte im Umfang eines Buches den Umständen entsprechend angenehm. Die App läuft flüssig und ist übersichtlich gestaltet. Über den Startbildschirm hat man direkten Zugriff auf seine ausgeliehenen Bücher (bis zu drei Stück gleichzeitig bei mir im Basic-Tarif), die Suchfunktion, das Hilfsmenü, das Benutzerkonto und natürlich auf die verschiedenen Kategorien, die wiederum in unterschiedliche Genres unterteilt sind.

Wie ist das Sortiment von Skoobe?

Skoobe wirbt damit, dass man Zugriff auf 120.000 Bücher hat – das ist eine ganze Menge. Aber ist unter den einzelnen Titeln auch ansprechende Lektüre dabei? Nach Erfahrungen mit Kindle Unlimited war ich skeptisch.
Zunächst stöberte ich mich also durch die einzelnen Unterkategorien, am vielversprechendsten für mich waren Belletristik, Jugend- und Sachbücher (bei letzterer Kategorie und bei englischsprachigen eBooks könnte die Auswahl größer sein), dabei stieß ich auf einige interessante Titel, die schnell auf meine Merkliste wanderten. Ich war überrascht, so vielen kleinen und großen Namen auch aktuelleren Datums zu begegnen. Die aktuellen Neuheiten sind freilich nicht dabei, aber hin und wieder wird man mit einem kleinen Schmankerl gelockt.
Gelesen habe ich während meines Tests Tote Mädchen lügen nicht und Vier Jahre Hölle und zurück. Auf meine Merkliste wanderten u.a. Dark House, Elantris, Beutegier und Pretty Little Liars.

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Bequem lesen wann, wo und so viel ihr wollt.


Wie liest es sich mit der App?

Auch beim Lesen des eBooks funktioniert die App flüssig. Optisch ist das eBook ansprechend gestaltet, das Umblättern und die Seitengestaltung sind an ein richtiges Buch angelehnt. Die Schriftgröße, Ausrichtung, Helligkeit und Farbe lässt sich individuell anpassen (man kann die Hintergrundfarbe sogar auf schwarz stellen – macht das irgendjemand?). Besonders positiv ist mir dabei der Helligkeits-Regler aufgefallen, der unabhängig von der generellen Helligkeitseinstellung des Handys funktioniert, die mir nämlich besonders beim Lesen in der Dunkelheit immer noch zu hell gewesen wäre. Negativ fällt auf, dass bei einigen eBooks die Darstellung fehlerhaft ist, so irritierten gelegentlich Worttrennungen den Lesefluss.
Wenn man mit dem WLAN verbunden ist, hat man zudem die Möglichkeit unbekannte Wörter, Personen oder Sonstiges online über Google oder Wikipedia nachzuschlagen. So was ist praktisch, besonders da es bei Skoobe möglich ist gleich mehrer Wörter im Zusammenhang nachzuschlagen, was beispielsweise bei der integrierten Nachschlagfunktion des Kindle Paperwhite noch problematisch ist. Andererseits vermisse ich eine Funktion mit der man Zitate abspeichern oder nachhaltig markieren kann, so dass man sie leicht wiederfindet. Zwar ist es möglich Zitate zu teilen (diese Funktion ist für mich unnötig) und Lesezeichen zu setzen, allerdings befriedigt das nicht meine Leserwünsche. Hier könnte noch etwas nachgebessert werden, auch wenn das vielleicht die App etwas umfangreicher machen würde.

tl;dr und Fazit:

+ hervorragendes Preis/Leistungsverhältnis (unbegrenzter Lesespaß bereits ab 9,99 € im Monat)
+ durchsichtiges, unkompliziertes und flexibles Abosystem
+ freundlicher Kundenkontakt
+ große Auswahl in den Kategorien Belletristik sowie Kinder- und Jugendliteratur
+ Synchronisation der Skoobe-App auf mind. zwei Geräten möglich
+ wöchentliche Aktualisierung des Sortiments
+ auch kleinere Verlage sind mit ihren Titeln vertreten (Bsp.: VoodooPress)
+ individuelle Reglung der Helligkeit, Schriftgröße und Hintergrundfarbe
+ optische Anlehnung der eBooks an analoge Bücher

o aktuelle Neuerscheinungen sind selten dabei, dafür aber viele große Verlagstitel und die ein oder andere Überraschung
o Auswahl in den Kategorien Sachbuch und Ratgeber wirkt beliebig
o Nachschlag-Funktion (WLAN notwendig)

keine zufriedenstellende Zitatfunktion
gelegentlich treten bei den eBooks Fehler in der Darstellung auf
die Auswahl englischsprachiger eBooks ist noch ausbaubar
(-) funktioniert leider nicht auf meinem Kindle, aber das kann ich Skoobe nicht vorwerfen

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Ich bin absolut begeistert von Skoobe, auch wenn es hier und da ein paar kleinere Abzüge gibt. In Ermangelung eines Tablets werde ich das Angebot allerdings vorerst nicht weiter in Anspruch nehmen, da mir das Lesen mit dem Handy einfach nicht so viel Freude bereitet. Dennoch kann ich Skoobe jedem/jeder empfehlen, der/die gerne mit einem Tablet oder Handy liest, da zu einem kleinen Preis viele Vorteile und mannigfaltiger Lesespaß geboten werden.

Falls ihr Lust bekommen habt, Skoobe auch einmal 30 Tage lang kostenlos zu testen, dann könnt ihr mit diesem Code direkt losstarten: MGM4PWN7M. Die Probemitgliedschaft könnt ihr ganz einfach spätestens 2 Tage vor Ablauf der 30 Tage kündigen, ansonsten geht die Mitgliedschaft direkt in den Basic-Tarif über. Für die Probemitgliedschaft erhalte ich 7 Tage zusätzliche Nutzungszeit.

Nutzt ihr bereits Skoobe oder eine ähnliche Online-Bibliothek? Wie sind eure Erfahrungen? // Solltet ihr noch Fragen oder Ergänzungen zu Skoobe haben, dann hinterlasst mir gerne einen Kommentar❤

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Gemeinsam Lesen #15 (109): Der Killer

Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Asaviels Bücher-Allerlei, die von Schlunzen-Bücher und Weltenwanderer im Wechsel fortgeführt wird. Immer wieder dienstags wird ein gemeinsamer Blick auf die verschiedenen Lektüren geworfen, begleitet von einigen Leitfragen.

gemeinsam lesen

Via Klick aufs Bild geht es zur dieswöchigen Aktionshosterin Weltenwanderer

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Seit kaum zu schlagenden zwei Wochen beiße ich mir nun schon an Der Killer von Richard Laymon die Zähne aus. Das ist mein erster Laymon und wahrscheinlich auch mein vorletzter (eine vergleichende Chance gebe ich ihm garantiert). Mittlerweile habe ich es wenigstens bis auf Seite 199 geschafft.

Inhalt: 

Als d9783453676459_Coverie Journalistin Lacey eines Abends in einem kleinen Supermarkt einkaufen will, findet sie sich in     einem Albtraum wieder. Schwer verletzt kann sie einem unheimlichen Killer entkommen, der die Ladenbesitzerin enthauptet hat. Doch dies ist erst der Anfang. Auf ihrer verzweifelten Flucht vor dem Killer kommt Lacey einer Kultgemeinschaft auf die Spur, die entsetzliche Rituale durchführt. Um die Entfesselung unvorstellbaren Grauens zu verhindern, muss die junge Frau alle Grenzen hinter sich lassen.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Okay. Ihr wollt, dass ich rede, also rede ich.“ S. 199 – bestechende Logik!

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Ihr wisst oder wisst es auch nicht, dann aber spätestens jetzt, dass ich ein großer Fan von Horrorliteratur bin. Horror ist gerade in der Literatur, fernab von Lovecraft, Sinclair und King, eher ein Nischenprodukt, das sich aber großer Beliebtheit erfreut. Die literarische Qualität ist dabei häufig eher eine geringere. Horror macht einfach „Spaß“, wenn man das so sagen kann. Es schockiert, erschrickt, ekelt manchmal auch unglaublich an. Ich habe schon so viel Rotz gelesen und trotzdem meine Freude daran gehabt, aber … Aber mit Richard Laymon werde ich einfach nicht warm. Es geht schon so weit, dass ich keine Lust darauf habe, zu lesen, weil ich ja dieses Buch beenden muss. Und das tut mir so unglaublich leid, weil es unzählige Laymon-Fans gibt und ich so gerne in ihm sehen würde, was sie sehen.
Das schlimmste ist für mich der Schreibstil. Den finde ich ganz ganz ganz ganz grausig (vielleicht Horror auf einer Metaebene?). Das ganze Buch liest sich wie eine Inhaltsangabe. Eine 288 Seiten lange Inhaltsangabe. Keine Emotionen, einfach ein nackter Textkörper. Es ist ganz schwierig, sich fallen zu lassen, weil der Schreibstil so trocken ist, ohne Spannungen, Höhen, Tiefen, Mehrdeutigkeiten. Einfach ein Stein, der einem vor die Nase gelegt wird und dann sieh zu, was du damit anfangen kannst. Ganz oft verstehe ich nicht, wie die Protagonisten zu dieser und jener Handlung gekommen sind. Sie machen es einfach so. Ohne Sinn! Die Grundgeschichte ist durchaus spannend und ich will auch auf jeden Fall wissen, wie es ausgeht, aber bis zum Ende bin ich vielleicht schon in der Wüste der literarischen Ödnis verdurstet.
Wenn hier ein Laymon-Fan unter euch ist: Bitte sagt mir euer absolutes Lieblingsbuch von ihm. Ich kann nicht hinnehmen, dass er mir nicht gefällt und zwar so gar nicht. Das muss ein schrecklicher Irrtum sein.

4. Dass wir alle begeisterte Bücherwürmer sind und lesen, was wir so in die Finger bekommen, wissen wir ja…😉 Aber gibt es auch (bestimmte, gewisse) Bücher, die wir niemals lesen würden? Wenn ja, welche sind das und warum?

Potentiell würde ich jedes Buch lesen. Aber natürlich ist das nicht immer so einfach, wie man das gerne hätte. Man hat ja nicht unbegrenzt viele Möglichkeiten, jedes Buch zu lesen, das einem in die Finger kommt. Also muss man sorgfältig wählen. Ich würde niemals zum dritten Teil von Shades of Grey greifen, weil mich 1+2 einfach fertig gemacht haben. Ich würde auch zu den meisten Chic-Lit- und Liebesromanen nicht greifen, weil das einfach nicht mein Bier ist. Hin und wieder eine kleine Liebesgeschichte ist ganz nett und ich werde auch immer wieder so was lesen. Aber ansonsten sind mir besagte Genre viel zu klischeehaft. Auch würde ich mich nicht von der gigantischen Erotik-Welle mitreißen lassen. Solche Hypes kann ich nicht wirklich nachvollziehen und möchte es auch gar nicht.
Zu Forschungszwecken würde ich allerdings jedes Buch in die Hand nehmen, natürlich dann mit dem notwendigen kritischen Bewusstsein.
Ansonsten kann ich gar nicht sagen, welches Buch ich darüber hinaus niemals lesen würde, wahrscheinlich einige Folgebände von Reihen, die ich angefangen, aber nicht für gut befunden habe.

Welches Buch lest ihr zur Zeit und gibt es Bücher, die ihr niemals lesen würdet? Lasst es mich wissen, ich freue mich auf eure Kommentare!

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Hier noch ein kleiner Hinweis zu Blogger schenken Lesefreude:

Ab dem 22.04. werden bei mir zwei Bücher verlost. Ich würde mich freuen, wenn ich euch eine kleine Lesefreude bereiten könnte. Schaut vorbei!❤

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Ausgezählt: Die BücherTreff Leserlieblinge 2014 stehen fest und ihr habt entschieden!

Es gibt unzählige Literaturpreise und noch unzähligere (sic!) Experten, die über die Qualität und Lesetauglichkeit von schriftlichen Werken abstimmen. Die Leser kommen dabei oftmals zu kurz. Kein Wunder also, dass viele Literaturpreise eher ein stilles Dasein fristen. Abstimmungen unter der gemeinen Leserschaft erfreuen sich allerdings immer größerer Beliebtheit und bieten eine hervorragende Ergänzung zum steifen Literaturalltag.

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Im vergangenen März und April konnten die Mitglieder des BücherTreffs in acht Kategorien über ihre Lieblingsbücher des vergangenen Jahres abstimmen. Nachfolgend finden sich die glücklichen AutorInnen, die sich über einen Platz auf dem Treppchen freuen dürfen. Wenn ihr auf die Titel klickt, gelangt ihr direkt zu den jeweiligen Verlagen und könnt euch die Artikelbeschreibungen und Lesermeinungen anschauen.

Erzählungen (inkl. Kriegs-/Politromanen)
  1. 28 Tage lang von David Safier (Rowohlt)
  2. Morgen kommt ein neuer Himmel von Lori Nelson Spielman (Fischer)
  3. Das unerhörte Leben des Alex Woods von Gavin Extence (Limes)
Fantasy
  1. Die Seiten der Welt von Kai Meyer (Fischer)
  2. Der böse Ort von Ben Aaronovitch (dtv)
  3. Der Ozean am Ende der Straße von Neil Gaiman (Eichborn)
Historische Romane
  1. Kinder der Freiheit von Ken Follett (Lübbe)
  2. Im Hause Longbourn von Jo Baker (Knaus)
  3. Das Licht der Welt von Daniel Wolf (Goldmann)
Jugendbücher
  1. Obsidian von Jennifer L. Armentrout (Carlsen)
  2. Die Vernichteten von Ursula Poznanski (Loewe)
  3. Lockwood & Co. – Der wispernde Schädel von Jonathan Stroud (cbj)
Krimis/Thriller (inkl. Horror)
  1. Passagier 23 von Sebastian Fitzek (Droemer)
  2. Die Lebenden und die Toten von Nele Neuhaus (Ullstein)
  3. Der Totschläger von Chris Cater (Ullstein)
Liebesromane
  1. Weit weg und ganz nah von Jojo Moyes (Rowohlt)
  2. Winterzauber wider Willen von Sarah Morgan (mtb)
  3. Vor uns die Nacht von Bettina Belitz (script 5)
Sachbücher (inkl. Biographien)
  1. Darm mit Charme von Giulia Enders (Ullstein)
  2. Der Junge muss an die frische Luft von Hape Kerkeling (Piper)
  3. Meine wundervolle Buchhandlung von Petra Hartlieb (Dumont)
Science Fiction
  1. Hope – Unsere einzige Hoffnung von Christin Thomas (o. V.)
  2. Level von Hugh Howey (Piper)
  3. Fragmente: Partials 2 von Dan Wells (ivi)

Überraschen euch die Platzierungen? Habt ihr vielleicht etwas Neues für euch entdecken können? Ich muss gestehen, dass ich ganz viel davon nicht gelesen habe, aber gerade unglaublich Lust darauf habe, loszustöbern. Besonders Hope und Der Ozean am Ende der Straße haben mich neugierig gemacht. Von meinen Favoriten sind nur zwei in den Top 3 gelandet.

Eure Favoriten haben es auch nicht unter die Top 3 geschafft? Dann schaut doch mal beim BücherTreff direkt nach, auf welchen Platzierungen eure Lieblinge gelandet sind. Dazu könnt ihr einfach hier klicken oder

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hier

Dieses Jahr keine Gelegenheit gehabt, mit abzustimmen? Macht nichts! Der BücherTreff ist ganzjährig geöffnet und lädt alle Buchbegeisterten zum gemeinsamen Plausch ein. Wem Lovelybooks und Goodreads zu schnöde sind, der findet hier die geballte Forenpower mit allen Annehmlichkeiten, die auch die Konkurrenz zu bieten hat. Ihr dürft euch also schon mal für die Abstimmungen im nächsten Jahr bereit machen, denn: Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung.

Frohes Lesen allerseits❤

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Empfehlung: Was ist Glück? Kristine Bilkau – Die Glücklichen

Was braucht der Mensch, um glücklich zu sein? Eine Frage, die das menschliche Denken beschäftigt, seit es dazu in der Lage ist, sich nach etwas zu sehnen. Viele kluge Menschen haben sich seit Jahrtausenden der Beantwortung dieser Frage gewidmet und doch bleibt es stets etwas höchst Subjektives: Die Gesundheit? Die Liebe vielleicht? Oder ist es doch Macht, Erfolg und Geld? Manchmal gar Bescheidenheit?
Kristine Bilkaus Debütroman Die Glücklichen stellt diese Fragen ganz explizit für Menschen, die scheinbar alles haben und daher so viel verlieren können. Erschienen ist der Roman im März 2015 im Luchterhand Literaturverlag und wurde seitdem nicht zu unrecht viel besprochen und hoch gelobt.

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Darum geht’s:

Mit der Geburt ihres Sohnes wächst nicht nur ihr Glück, sondern auch der Druck und die Verunsicherung. Für Isabell erweist sich die Rückkehr in ihren Beruf als schwierig: Während des Solos zittern ihre Hände, nicht nur am ersten Abend, sondern auch an den folgenden. Gleichzeitig verdichten sich in Georgs Redaktion die Gerüchte, der Verlag würde die Zeitung verkaufen. Währenddessen wird ihr Haus saniert. Im Treppenhaus hängt jetzt ein Kronleuchter, im Briefkasten liegt eine Mieterhöhung. Für die jungen Eltern beginnt damit ein leiser sozialer Abstieg. Isabell und Georg beginnen mit einem Mal zu zweifeln, zu rechnen, zu vergleichen. Jeder für sich. Je schwieriger ihr Alltag wird, desto mehr verunsichert sie, was sie sehen. Die gesicherten Existenzen mit ihren geschmackvollen Wandfarben sagen jetzt: Wir können, ihr nicht. Was vertraut und selbstverständlich schien – die Cafés, Läden, der Park, die Spielplätze mit jungen Eltern –, wirkt auf einmal unzugänglich. Gegenseitig treiben sich Isabell und Georg immer mehr in die Enge, bis das Gefüge ihrer kleinen Familie zu zerbrechen droht.

Mit Die Glücklichen hat Kristine Bilkau ein einfühlsames Portrait einer jungen, erfolgsverwöhnten Kleinfamilie aus der Mittelschicht gezeichnet, die feststellen muss, in einer Zeit zu leben, in der Sicherheiten Wunschvorstellungen geworden sind und die einstigen Jugendträume schneller platzen können als einem lieb ist. Nicht nur sie selbst, auch die Erwartungen an ihre Zukunft müssen hinterfragt und neu definiert werden. Bilkau offenbart dabei ein Gespür für Details, die kleinen Pausen zwischen den Atemzügen, in denen sich die ganze Tragik, aber auch Hoffnung zeigt.

Die Glücklichen ist ein ergreifender Roman, der den Leser wie einen Voyeur am Leben, Scheitern und Wiederaufrappeln teilhaben lässt. Der Roman ist wie ein Fenster in das Leben von Isabell, einer jungen Mutter und Cellistin, und Georg, der gerade am eigenen Leib erleben muss, wie die augenscheinliche Sicherheit vor seinen Augen unaufhaltsam zerbröckelt. Isabell und Georg sind Menschen, die klare Vorstellungen von ihrer Zukunft hatten und fest damit rechneten, dass alles genau so laufen musste. Menschen, die das Leben mit kindlicher Naivität umarmt haben, ohne die Möglichkeit des Scheiterns zu bedenken. In ihrer kleinen mittelständischen Welt sind sie umgeben von aufgehübschten Fassaden, strahlend weißen Lächeln, Feinkost und Erfolgsgeschichten – Das Leben der Anderen ist ein Maßstab, an dem es sich zu messen gilt. Unbewusst beginnt Georg zu rebellieren, einen Weg einzuschlagen, den Isabell nicht mitgehen kann.

Mit dem Wechsel der Jahreszeiten beginnt die Entfremdung, einzig zusammengehalten durch den kleinen Sohn Matti. Zwischen all der provokanten Schweigsamkeit, den unausgesprochenen Vorwürfen, den Verdrängungsversuchen, steht er für die Zukunft, die Hoffnung – auf ein neues Leben, ein glücklicheres vielleicht.
Aller Spontaneität beraubt, müssen sich Isabell und Georg ihrer Lage stellen. Wie geht es weiter? Kann man die Wohnung halten? Welchen Platz hat man in der Arbeitswelt? Was braucht man, um glücklich zu sein?

Fast könnte man denken, Kristine Bilkau hätte das alles selbst erlebt, so klar, so ergreifend ist das gezeichnete Bild. Dieses Milieu, diese Menschen, Geschichten muss sie gut kennen – sie ist eine gute Beobachterin. Der intuitive Schreibstil changiert zwischen den Emotionen hin und her. Mal ist er von Hoffnung durchtränkt, dann vor Verzweiflung spröde oder rasend vor Wut. Dabei wahrt sie aber stets den Ton, überzeichnet nichts. Niemals bricht man aus der Lebenswelt der Protagonisten aus. Was wie der Tiefpunkt einer Existenz anmutet, steht doch stellvertretend für die Ängste und Wünsche einer ganzen Generation. Die Last der Vergangenheit und Zukunft liegt auf ihren Schultern und doch ist man beständig auf der Suche nach seinem Platz, einem Druck ausgesetzt, den man nicht mindern kann, auf der Suche nach einer Scholle, auf der man sich kurz ausruhen kann.

Die Glücklichen ist ein Gesellschaftsroman wie er nur selten gelingt: authentisch, berührend, erweckend, aber nicht richtend. Er ist eine Momentaufnahme im rasanten 21. Jahrhundert. Nehmt Die Glücklichen von Kristine Bilkau zur Hand und gönnt euch eine Auszeit. Lasst die Zartheit des melodischen Klangs der Worte auf euch wirken. Einmal berichtet Isabell von ihrem ersten Vorspiel, wie sie hinter einem dicken schwarzen Vorhang saß und spielen sollte. Sie wollte Leichtigkeit, vollkommene Zartheit in ihr Spiel legen, doch der Vorhang verschluckte den Klang. Ich wünsche mir, dass der dicke Mantel der Schnelllebigkeit Kristine Bilkaus Debüt nicht zum Verhängnis wird, dass die LeserInnen sich Zeit nehmen für ihr Buch.

Fazit: Die Glücklichen ist ein Gesellschaftsroman, der sich mit klarem Blick der Frage nach dem Glück aus einer anderen Perspektive widmet. Ein hinreißendes Buch. Ein Buch, das gelesen werden sollte.

Blick durch’s Fenster: 

Urlaub ist ein Gradmesser dafür, wie gut oder schlecht es läuft. Alles wird zum Indiz. Ob es die enge Ferienwohnung mit Kunstledersofa ist oder das Strandhotel mit Meerblick und Kinderbetreuung, ob das Ziel mit dem Auto zu erreichen ist oder eine halbe Weltreise entfernt liegt, ob nur im Sommer verreist wird oder es im Winter noch in den Schnee oder irgendwohin, wo Palmen wachsen, geht, alles ist verräterisch. […] Er dachte, sie könnten sich über so was hinwegsetzen. Aber da hat er sich geirrt.

S. 157

Herzlichen Dank an das Random House Bloggerportal für die Bereitstellung dieses Leseexemplars.

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Gemeinsam Lesen #14 (107): Pretty Little Liars #2 – Flawless

Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Asaviels Bücher-Allerlei, die von Schlunzen-Bücher und Weltenwanderer im Wechsel fortgeführt wird. Immer wieder dienstags wird ein gemeinsamer Blick auf die verschiedenen Lektüren geworfen, begleitet von einigen Leitfragen.

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1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Zur Zeit lese ich den zweiten Teil der Pretty Little Liars-Reihe von Sara Shepard Flawless. Ich bin auf Seite 168 und damit so ziemlich in der Mitte des Buches.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„You’re so lucky you get to go to Foxy for free,“ Emily’s older sister Carolyn said. S. 168 

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Ich bin ein großer Fan der Serie, wurde aber leider damals vorm Staffelfinale von Staffel 4 gespoilert. Das hat mir lange Zeit die Lust an den Liars verdorben. So langsam macht sie sich aber wieder bemerkbar. Die ersten zwei Bücher lagen schon lange auf meinem SuB und weil ich diesen Monat mal alle englischsprachigen Bücher angehen wollte, die ich so mein eigen nenne, bin ich mal wieder in die scheinbar heile Welt von Rosewood eingetaucht. Nur wenig wurde in der Serie geändert, meist nur äußere Details, die hier und da vielleicht etwas Konfliktträchtigkeit abhanden kommen ließen, aber an sich ist man doch recht nah am Buchstoff geblieben. Spencer ist noch immer mein liebster Charakter. Und bei Aria stellen sich mir immer noch die Nackenhaare auf. So was selbstgerechtes und pseudoreifes. Argh! Der Schreibstil ist ziemlich simpel, für mein eingerostetes Englisch ist das aber perfekt! Nur die ständigen modischen Referenzen erschweren mir manchmal die Lesearbeit. Sara Shepard legt viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild ihrer ProtagonistInnen, wahrscheinlich ist das nur allzu authentisch. Die Geschichte gefällt mir aber immer noch richtig gut. Ich liebe Intrigen und dreckige Geheimnisse und kann es kaum erwarten, herauszufinden wer A ist. (Eigentlich weiß ich es, aber dieses Wissen verdränge ich erfolgreich. Es gibt schließlich noch mehr Geheimnisse zu lüften.)

4. Nenne 5 Adjektive, die dein aktuelles Buch beschreiben. Wenn du dir jetzt diese Eigenschaften anschaust: würdest du gerne mit jemandem befreundet sein, auf den diese charakterlich zutreffen? (Wenn du erst am Anfang bist, dann nimm Adjektive, was du vom Buch erwartest)

Oberflächlich, intrigant, gefährlich, geheimniskrämerisch, naiv – Eigentlich alles Eigenschaften, die eher negativ konnotiert sind. Aber haben wir nicht alle hin und wieder einen kleinen Hang zum Bösen, Dreckigen? Vermutlich könnte man mit jemandem, der diese Eigenschaften verkörpert maximal eine kurze oder oberflächliche Bekanntschaft pflegen. Irgendwann würde man sich an den Charaktereigenschaften stoßen, von seinen Taten vielleicht sogar negativ beeinflusst. In jedem Fall wäre es aber interessant herauszufinden, warum jemand so ist. Niemand ist einfach nur schlecht. Das hat immer Gründe. Ob ich die nötige Geduld hätte, mich mit so jemanden auseinanderzusetzen ist aber fraglich.

Welches Buch lest ihr zur Zeit und wie lautet eure Antwort auf die letzte Frage? Spannend! Lasst es mich wissen🙂

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Bloggeburtstag-Gewinnspiel-Auslosung

In allen Belangen war der Monat März der schönste und beste und kann sicherlich nicht mehr getoppt werden. Viel wurde gelesen, diskutiert und vor allem gefeiert! Danke, dass ihr bei meiner kleinen Teeparty zum Einjährigen mitgewirkt habt. Ich hoffe, dass die Sause im nächsten Jahr noch größer wird und lade schon jetzt herzlich dazu ein❤
Entschuldigt bitte, dass es mit der Auslosung nun etwas gedauert hat, dafür darf ich nun erfreut die Gewinnerin bekannt geben.

Über Cracks in Buch- und Filmform

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darf sich freuen:

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Herzlichen Glückwunsch, liebe Neko von Nekos Geschichtenkörbchen. Hoffentlich kann ich dir mit dem Präsent eine kleine Freude bereiten und du magst Film und Buch genau so gerne wie ich. Lass mich doch bitte irgendwann wissen, wie dir Cracks gefallen hat.

Ich freue mich schon sehr auf das kommende neue Bloggerjahr, mit alten und hoffentlich vielen neuen Bekannten. Herzlichen Dank für eure Glückwünsche❤

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Carmen Rodrigues – Du bist das Gegenteil von allem

Mir war mal wieder nach einem Jugendroman, aber einem Jugendroman mit Tiefgang. Gerne sah ich also dem Veröffentlichungstermin von Du bist das Gegenteil von allem von Carmen Rodrigues entgegen, das am 30. März im cbt Verlag erschienen ist. Dieses Buch wurde mir freundlicherweise über das Bloggerportal von Random House zur Verfügung gestellt.

Du bist das Gegenteil von allem von Carmen Rodrigues

Darum geht’s:

Die 16-jährige Ellie hatte etwas Besonderes an sich. Etwas Dunkles, Charismatisches, Gebrochenes … Jetzt ist sie tot. Gestorben an einer Überdosis Tabletten. Zurück bleiben ihr Bruder Jake, ihre beste Freundin Sarah und deren jüngere Schwester Jess – und vierunddreißig Zettel von Ellie in einem Schuhkarton. Vierunddreißig Hinweise, die Ellie hinterlassen hat. Vierunddreißig Geheimnisse eines viel zu kurzen Lebens voller Schmerz. Auf der Suche nach dem Warum müssen sich Jake, Sarah und Jess nicht nur ihren eigenen Abgründen stellen, sondern auch dem, was Ellie so lange vor ihnen verborgen hat …

Du bist das Gegenteil von allem ist ein berührender und einfühlsamer Jugendroman, der vor allem 15/16jährige ansprechen dürfte. Die Charaktere wirken ihrer Lebenswelt entsprungen. Sie sind auf der Suche nach sich selbst, nach Erfüllung und Anerkennung und müssen wie jeder heranwachsende Mensch durch so manches Tal waten. Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Eine lose zusammengewürfelte Clique, bestehend aus der faszinierenden Ellie, ihrem Bruder Jake, seinem Freund Tommy, der Nachbarsfreundin Sarah und ihrer Schwester Jessie, wird jäh auseinander gerissen als ein schreckliches Unglück geschieht. War es Absicht oder ein tragischer Unfall? Diese Frage beschäftigt fortan die ProtagonistInnen und lässt sie ein Wechselbad aus abgründiger Melancholie und zarter Hoffnung durchleben.

Carmen Rodrigues, die zu wissen scheint, wovon sie schreibt, geht ganz behutsam dabei vor, die Geheimnisse und Ängste ihrer ProtagonistInnen, angesichts dieses schrecklichen Erlebnisses, ans Licht zu kehren. Sanft lässt sie die tief verstörte Ellie durch die Geschichte wandeln, ohne zu urteilen behandelt sie die Auswirkungen von Ellies Tod auf die Überlebenden. Als Leser hat man Teil an einem Winter in dem Leben der jungen Menschen und an zahlreichen Zeitsprüngen. Am Ende des Winters blickt man zusammen mit den Charakteren einem Neuanfang entgegen. Das Leben wird zwar nicht leichter, aber als Herausforderung begriffen, der man sich gemeinsam stellen sollte.

Du bist das Gegenteil von allem ist gekennzeichnet durch einen sehr schlichten, klaren Schreibstil, der die Emotionen in aller Schärfe hervortreten lässt. Erzählt wird von drei Ich-Erzählern, die sich beständig abwechseln und an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben lassen. Dazwischen gestreut sind Schnipsel aus dem Leben von Ellie, die nur einen ganz kleinen Blick auf ihre Geschichte gewähren. Die Achse, an der sich alles narrativ ausrichtet, ist der Tod eines geliebten Menschen. Wie geht man damit um? Wie geht man mit seinen eigenen Schuldgefühlen um? Hätte man helfen können? Können Eltern ihre Kinder besser schützen? Was ist richtig und was falsch? Obgleich unglaublich mitreißend, lässt Carmen Rodrigues vieles ungesagt, zwischen den Zeilen schwebend. Der Roman stellt Fragen, bietet manchmal Antworten, aber lässt auch vieles offen. Denn auch das Leben kann nicht auf jede Frage eine Antwort liefern, manchmal muss man mit dem Unwissen leben und es annehmen.

Carmen Rodrigues‘ zweiter Jugendroman ist nicht effekthaschend. Wo nötig werden Szenen in all ihrer Abgründigkeit dargestellt, wenn möglich aber Diskretion gewahrt. Du bist das Gegenteil von allem behandelt viele Probleme, die den heranwachsenden Menschen beschäftigen, manchmal auch aus der Bahn werfen können. Er macht Mut, für sich selbst, aber auch für andere einzustehen und sich dabei nicht von schlechten Zeiten runterziehen zu lassen. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es dann aber doch: Hin und wieder erscheint es so, als hätte Carmen zu viel von diesem einen Buch verlangt, so dass nicht genug Zeit blieb, sich auf ein Thema zu konzentrieren. Das lässt die Geschichte manchmal doch zu sehr an der Oberfläche kratzen. Außerdem scheint dieses Buch viele LeserInnen an Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher zu erinnern – ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden. Was es damit auf sich hat, werde ich so bald als möglich herausfinden.

Fazit: Du bist das Gegenteil von allem von Carmen Rodrigues stellt sich einfühlsam der düsteren Seite des Erwachsenwerdens, versucht nicht unnötig nach Gründen zu suchen, bietet aber Lösungen. Ein Roman für junge Menschen, die noch dabei sind, sich selbst zu finden, aber auch für LeserInnen und Eltern, die sich für das Destruktive im Menschen interessieren.

Zitatgenuss zum Schluss:

„Aber jetzt, wo ich bei ihr bin, begreife ich, dass Zuhause der Ort ist, an den man zurückkehrt, wenn einen die Kraft verlässt.“ S. 301

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Gemeinsam Lesen #13 (106): Du bist das Gegenteil von allem

Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Asaviels Bücher-Allerlei, die von Schlunzen-Bücher und Weltenwanderer im Wechsel fortgeführt wird. Immer wieder dienstags wird ein gemeinsamer Blick auf die verschiedenen Lektüren geworfen, begleitet von einigen Leitfragen.

gemeinsam lesen

Via Klick aufs Bild geht es zu den dieswöchigen Aktionshosterinnen von Schlunzen-Bücher

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Diese Woche lese ich mal wieder einen Jugendroman, wie er mir mit etwa 15 Jahren wahrscheinlich richtig gut gefallen hätte. Die Rede ist von Du bist das Gegenteil von allem von Carmen Rodrigues aus dem cbt Verlag. Seit gestern könnt ihr das Buch überall erwerben. Darin geht es um eine junge Clique, die durch den tragischen Tod eines ihrer Mitglieder auseinander gerissen wurde. Wie gehen junge Menschen mit dem Ableben eines Freundes um? Was hat ihre Freundschaft ausgemacht? Welche Geheimnisse verbargen die jungen Menschen? Intrigen, Liebe, Verrat und ganz viel Melancholie. Zur Zeit befinde ich mich auf der Seite 257.

Du bist das Gegenteil von allem von Carmen Rodrigues

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Der erste und einzige Satz auf Seite 257: „Wenn ich mit dir zusammen bin, weiß ich nicht, was ich tue.“

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Ich fühle mich total in meine gar nicht so weit zurückliegende Jugend versetzt. Mit etwa 15/16 fand ich solche bedeutungsschwangeren Geschichten, die zarten Risse in den Persönlichkeiten unglaublich faszinierend und spannend. Ich konnte mich mit den gebrochenen Persönlichkeiten auf der Suche nach ein bisschen Sicherheit sehr gut identifizieren. Niemand verstand einen und überhaupt war man viel zu reif für diese Welt. Typisch Pubertät halt. Die Charaktere aus diesem Buch entspringen genau dieser Phase. Sie sind auf der Suche nach sich selbst, nach Verbindungen zur Außenwelt und nach Erlösung. Einige dieser Charaktere haben Schweres durchgemacht, andere wollen nur noch ausbrechen aus dem kleinbürgerlichen Streben nach Normalität. Und über allem steht die Frage, ob man etwas hätte tun können, um den Tod einer ihrer Lebensmittelpunkte zu verhindern. Heute stört mich vielleicht, dass der Stil zu einfach, die Charaktere zu stereotyp sind, aber in dem Alter wollte ich genau das.

4. Gibt es ein buchiges Event in diesem Jahr auf das ihr euch besonders freut, oder gab es mal was in der Vergangenheit, was euch so sehr begeistert hat, dass ihr es euch ganz bald mal wieder wünschen würdet?

Am meisten freue ich mich natürlich immer auf die Buchmessen. Die Leipziger Buchmesse haben wir gerade hinter uns gelassen und nun wartet die Frankfurter Buchmesse auf uns. Ich freue mich darauf, dieses Jahr zum zweiten Mal durch die überfüllten Hallen schlendern zu dürfen.
Dann gibt es aber auch die kleineren hübschen Veranstaltungen, die ich ganz gerne mag: Indiebookday, Welttag des Buches/Blogger schenken Lesefreude oder Bloggerkommentiertage. Ich beteilige mich gerne an solchen Aktionen, beobachte die Vernetzung und die Freude, die durch solche Aktionen entsteht. Bei manchen Aktionen kann man hinterfragen, ob der Zweck noch erfüllt wird (Blogger schenken Lesefreude bspw.), aber mein Blog ist noch so jung, dass ich selbst erst noch die verschiedenen Eindrücke gewinnen möchte, bevor ich mich von so mancher Aktion distanziere.

Was lest ihr zur Zeit? Auf welches bibliophile Event freut ihr euch? Ich freue mich über eure Kommentare! 

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Parasitoid: Dunkelsprung – Leonie Swann

Wann mir Dunkelsprung – Vielleicht kein Märchen von Leonie Swann aus dem Goldmann Verlag das erste Mal aufgefallen ist, weiß ich gar nicht mehr. Was ich weiß ist aber, dass ich es unbedingt lesen wollte. Nicht nur das Cover ist wunderschön, auch die skurille Geschichte versprach ein unvergleichliches Abenteuer. Über das Random House Bloggerportal erhielt ich dann die Gelegenheit, dieses wundervolle Werk rezensieren zu dürfen. Vielen lieben Dank!
Was soll ich sagen, es ist speziell und unfassbar gut.

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Darum geht’s:

Julius Birdwell, Goldschmiedemeister, Flohdompteur und unfreiwilliger Einbruchkünstler, wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich eine ruhige, unbescholtene Existenz führen zu können. Doch als seine Flohartisten einem plötzlichen Nachtfrost zum Opfer fallen und die geheimnisvolle Elizabeth Thorn in sein Leben tritt, überstürzen sich die Ereignisse. Ein Magier wird ohnmächtig, eine alte Dame macht sich in einem gestohlenen Lastwagen davon, ein Detektiv mit Konzentrationsstörungen findet zu einem ungewöhnlichen Haustier, und Julius sieht sich auf einmal mit existentiellen Fragen konfrontiert: Wie befreit man eine Meerjungfrau? Wie viele Flöhe passen auf eine Nadelspitze? Und warum ist das Leben trotz allem kein Märchen? Julius bleibt nichts anderes übrig, als sich weit über den Tellerrand seiner Welt hinauszulehnen und den Sprung ins Unbekannte zu wagen. Ein phantastisches Abenteuer beginnt …

Wünschen wir uns nicht alle bei Zeiten, dass hinter der kalten, rauen Realität etwas lauert? Etwas, das zu scheu ist, um unter den desillusionierten, mit Verstand durchtränkten Blick des Menschen zu treten. Ob wir uns nun ins Wunderland träumen, nach Hogwarts oder – die ganz Mutigen unter uns – nach Panem – Wir alle wünschen uns eine Prise Magie in unserem trüben Alltag.
Leonie Swanns Dunkelsprung entführt uns in genau so eine Welt, in der alles möglich ist, in der auch die verrücktesten Menschen und verschmähte Tiere zu Helden werden können. In dieser Welt werden die Grenzen zwischen Gut und Böse, Fakt und Fiktion aufgesprengt und die Türen zu einer neuen Wahrnehmung geöffnet. Was sich ergibt ist ein bunter Strauß voll märchenhafter, spannender und tiefgründiger Poesie.

Schon mit ihren Schafkrimis hat Leonie Swann Protagonisten geschaffen, die sich vom Mainstream abheben. Auch in Dunkelsprung begegnen uns Persönlichkeiten, die ihresgleichen suchen. Sie sind liebevoll ausgestaltet, herrlich skurril und nicht immer ganz bei Verstand.
Ein kauziger Julius Birdwell erzählt uns seine Geschichte, die märchenhaft anmutet, aber doch die Pfade des Vertrauten verlässt und in neue Bereiche vordringt. Als Julius‘ heißgeliebtem Flohpalast ein frostiges Unglück zustößt, ist er am Boden zerstört. Die Verzweiflung treibt ihn auf das Geländer einer Brücke. Natürlich will er nicht springen. Natürlich ist er noch nicht lebensmüde. Aber wie es das Schicksal so will stürzt er in die eisigen Tiefen. Von da an vollzieht die Geschichte einen gefährlichen Drahtseilakt zwischen kalter Vernunft und schillernder Phantastik. Vielleicht ist alles Kommende eine Art Traum, vielleicht aber auch erschreckend wahr, betrachtet durch die Augen eines Feinfühligen. Manchmal weiß man nicht was unheimlicher, was unwahrscheinlicher ist: eine gehörnte Frau aus der Welt der Fabeln oder ein scheinbar schizophrener, der vor sich selbst und seinen Wahnvorstellungen davon rennt.

Als Leser muss man sich für all die Absonderlichkeiten und Skurrilitäten öffnen, sonst findet man keinen Spaß an dieser Geschichte. Wenn man sich aber darauf einlässt, dann begegnen einem viele spannende Episoden, mit gewitzten Kleinkriminellen, scheuen Fabelwesen und stolzen Flöhen. Bei Leonie Swann ist nichts unmöglich und gerade das macht Dunkelsprung zu einem spannungsgeladenen aberwitzigen Ritt ins Unbekannte – oder sollte man besser Sprung sagen?
Denn Flöhe als wesentlicher Bestandteil des Cast sind doch mal was Neues. Wer mag, außer mir, schon gerne Parasiten, die man zu allem Überfluss auch noch kaum sieht? Hier zeigen sich die Flöhe von einer ganz anderen Seite, wie im Märchen üblich können sie sogar sprechen, allerdings nur mit Julius. Leonie Swann ist es hier gelungen, den Flöhen eine ganz spezielle Charakterzeichnung zu verleihen. Auf der einen Seite sind die Flöhe natürlich blutsaugende Parasiten, aber auf der anderen Seite auch sehr stolze Künstler und ihrem Flohzirkusdirektor gegenüber sehr loyal. Das muss man einfach gelesen haben.

Man hat keine andere Wahl als sich in diese liebevoll gestalteten Charaktere zu verlieben. Sie alle, ob Mensch, Tier oder Fabelwesen, wirken wie Grenzgänger, deren einziger Wunsch ein unbeschwertes freies Leben ist, die durch ihre Art aber immer wieder anecken und teils verrückte Entwicklungen durchmachen. Häppchenweise durchwandert der Leser die unterschiedlichen Perspektiven und dringt dabei immer tiefer ein in ein Dickicht aus Illusionen und spärlich gesäten Lichtungen der Klarheit. Dunkelsprung ist ein Plädoyer für die Andersartigkeit, für die Fantasie im Alltag und an den Mut, auch mal etwas zu wagen. Jeder kann ein Held sein.

Leonie Swann hat einen ganz besonderen, zauberhaften Schreibstil, der der unruhigen Handlung den Anstrich einer idyllisch märchenhaften Ruhe verleiht. Stellenweise philosophisch, aber immer hoch poetisch, entzieht sie dem Stoff die zeitliche Verankerung. Dunkelsprung ist so zeitlos wie ein Märchen, würden nicht hin und wieder moderne Gerätschaften erwähnt. Besonders die Kombination prunkvoller, naturalistischer Adjektive und Attribute mit surrealistischen Elementen konnte mich verzaubern. In Dunkelsprung hat man den Eindruck, dass sogar einfachste Gebrauchsgegenstände beseelt sind, weil der Schreibstil so lebendig und einzigartig ist. Das Buch selbst scheint lebendig und gewillt mich mit allerlei Koketterie in seinen Bann zu ziehen.

Am Ende ist es vielleicht doch nur ein Märchen über den Aufstieg eines Flohdirektors und seiner Stars. Aber vielleicht … ganz vielleicht … ist es ja doch noch viel mehr!

 

Blick in den Flohpalast:

“Aber dann … Wasserpflanzenhaar, ein plätscherndes Lachen, ein fließender Kuss. Er hatte sich Nixen immer blau vorgestellt, karibikblau und glitzernd, aber sie war dunkel wie ein Fluss im Winter, moorig, moosig und tief, unendlich glatt und schön. Dunkel die Haut, dunkler die Augen und obsidianschwarz ihr Lächeln.” S. 37

 

Frage an Leonie Swann:

Was passiert nach dem letzten Satz? Ohne konkret werden zu wollen: Wie kann man mir so sehr das Herz brechen und mich im Unwissen zurücklassen? Ich hoffe, das lässt auf eine Fortsetzung schließen! Ich habe sie doch so ins Herz geschlossen. Alle!